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Stand: Mai/2026
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Eine prinzipientreue Justizbeamtin und ein zynischer Schwerstkrimineller kämpfen auf sich gestellt gegen ein skrupelloses Verbrechersyndikat – und können weder einander noch der Polizei vertrauen. Dies ist die ebenso ungewöhnliche wie spannungsreiche Konstellation der sechsteiligen britischen Thrillerserie. Während BAFTA-Preisträger Otto Bathurst die ersten drei Episoden inszeniert, führt die deutsche Regisseurin Pia Strietmann ab der vierten Folge zu einem furiosen Finale. Ein packendes Katz-und-Maus-Spiel um Moral und Überleben mit Izuka Hoyle, Tahar Rahim und der Deutsche-Filmpreis-Gewinnerin Leonie Benesch als gnadenlose Jägerin.
Die Justizbeamtin Amber Todd (Izuka Hoyle) arbeitet im Gefangenentransport. Nach Geburt ihrer Tochter Mia kehrt die selbstbewusste junge Frau so schnell wie möglich in den Dienst zurück. Ihr kurzfristig erteilter Auftrag lautet, einen gefährlichen Kriminellen von einem geheimen Versteck in Wales nach London zu überführen: Tibor Stone (Tahar Rahim), der als Kronzeuge gegen das Verbrechersyndikat „Pegasus“ aussagen soll. Dessen Chef Harrison Dempsey (Brían F. O'Byrne), gegen den der Prozess am Old Bailey Court beginnt, möchte den Verräter zum Schweigen bringen. Bei Tibors Überführung kommt es zu einem Überfall auf den schwerbewaffneten Polizeikonvoi – und plötzlich ist Amber auf der Flucht, in Handschellen an den hochintelligenten Verbrecher gekettet. Schon bald erkennen die beiden, dass es auch auf Seiten der Polizei einen Maulwurf gibt – und selbst Ambers Ehemann Olly (Finn Bennett) und ihr Baby in Gefahr geraten. Während die Killerin Nina Drâgus (Leonie Benesch) unerbittlich Jagd auf sie macht, versuchen Amber und Tibor, sich bis zum Gerichtstermin nach London durchzuschlagen. Um zu überleben, muss Amber all ihre bisherigen Prinzipien über Bord werfen und selbst wie eine Kriminelle handeln.
BESETZUNG
TAHAR RAHIM | Tibor Stone |
IZUKA HOYLE | Amber Todd |
LEONIE BENESCH | Nina Drágus |
FINN BENNETT | Olly Hatton |
LAURIE DAVIDSON | Declan Dempsey |
STEVEN ELDER | Joe Sutherland |
KEN NWOSU | Phil Hawkins |
SAM TROUGHTON | Will O‘Neill |
KITTY REED | Jade Butler |
DANIEL BETTS | Marcus Turner |
SELORM ADONU | Jamal „Jaz“ Azumah |
BRIAN F. O'BYRNE | Harrison Dempsey |
EDDIE MARSAN | Alex Tebbit |
CATHERINE MCCORMACK | Josephine Campbell |
| u.a. |
STAB
REGIE | Otto Bathurst (1-3) |
| Pia Strietmann (4-6) |
DREHBUCH & CREATED BY | Matt Charman |
DREHBUCH | Haleema Mirza (Folgen 3 und 5) |
KAMERA | Aske Alexander Foss (1-3) |
| Florian Emmerich (4-6) |
LICHT | Chris Bird |
SZENENBILD | Arwel Jones |
KOSTÜMBILD | Ffion Elinor Jones |
MASKE | Claire Pritchard |
CASTING | Kelly Valentine Hendry |
MUSIK | Rupert Gregson-Williams |
TON | Bryn Thomas |
SCHNITT | Melanie Viner-Cuneo |
HERSTELLUNGSLEITUNG | Medyr Llewelyn |
PRODUKTIONSLEITUNG | Delmi Thomas |
CO-EXECUTIVE PRODUCER:INNEN | Tahar Rahim |
| Haleema Mirza |
SERIENPRODUZENT | Barney Reisz |
EXECUTIVE PRODUCER | Matt Charman |
| Foz Allan |
| Otto Bathurst |
| Sebastian Lückel (ARD Degeto Film) |
| Christoph Pellander (ARD Degeto Film) |
„Prisoner – Auf der Flucht“ ist eine Produktion der Binocular für Sky Studios in Koproduktion mit der ARD Degeto Film für die ARD.
Episode 1
Die selbstbewusste Justizbeamtin Amber Todd (Izuka Hoyle), die eine Karriere als Kriminalpsychologin anstrebt, kehrt nach der Geburt ihres Babys Mia in den Dienst zurück. Ihr kurzfristig erteilter Auftrag lautet, mit ihrem Kollegen Joe (Steven Elder) einen gefährlichen Kriminellen von einem geheimen Ort nach London zu überführen: Tibor Stone (Tahar Rahim), der als Kronzeuge gegen das Verbrechersyndikat „Pegasus“ aussagen soll. Dessen charismatischer Chef Harrison Dempsey (Brían F. O'Byrne), gegen den der Prozess vor dem Old Bailey Court beginnt, muss die Aussage des Verräters fürchten. Bei Tibors Überführung kommt es zu einem Überfall auf den schwerbewaffneten Polizeikonvoi. Amber kann sich retten, doch bei ihrer Flucht ist sie an Tibor gekettet.
Episode 2
Die Justizbeamtin Amber (Izuka Hoyle) und der verletzte Kronzeuge Tibor (Tahar Rahim) befinden sich in der Hand der Verbrecherorganisation. Die Killerin Nina Drâgus (Leonie Benesch), von Tibor selbst ausgebildet, hält die beiden in einer Waffenfabrik gefangen und wartet auf den Tötungsbefehl von „Pegasus“-Chef Dempsey (Brían F. O'Byrne). Während sich Tibor wenig Hoffnungen macht, erfährt Amber von Nina, dass es in der National Crime Unit eine undichte Stelle gibt. Das erkennt inzwischen auch Polizeichefin Josephine Campbell (Catherine McCormack), die mit aller Härte gegen den Maulwurf vorgehen will. Unterdessen versucht Tibor, die Gangster gegeneinander auszuspielen. Amber muss ausgerechnet auf ihn setzen, um ihr Leben zu retten.
Episode 3
Die Gangsterin Nina Drâgus (Leonie Benesch) kennt ihren Ex-Mentor und Ausbilder Tibor (Tahar Rahim) bis ins Detail. Sie spürt ihn und die Justizbeamtin Amber (Izuka Hoyle) auf, die sich auf eigene Faust zum Gericht nach London durchschlagen. Doch Tibor erkennt die Gefahr – und stellt der Killerin selbst eine Falle. Amber muss all ihre Grundsätze über Bord werfen, um sich und ihre Familie zu retten. Ihr bleibt keine Wahl, als dem ebenso hochintelligenten wie eiskalten Verbrecher zu vertrauen. Auch ihr Mann Olly (Finn Bennett) folgt Tibors Anweisungen und sucht mit seinem Neugeborenen Schutz bei dessen Mutter Carla (Marie Bunel). Unterdessen versucht Declan Dempsey (Laurie Davidson), die „Pegasus“-Geschäfte seines Vaters zu übernehmen.
Episode 4
Olly (Finn Bennett) fühlt sich bei Tibors Mutter Carla (Marie Bunel) nicht mehr sicher. Aber sie verhindert, dass er ihr abgeschiedenes Landhaus mit dem Baby verlässt. Als es zur Auseinandersetzung kommt, treffen Amber (Izuka Hoyle) und der bewusstlose Tibor (Tahar Rahim) ein. Der zuckerkranke Gangster braucht dringend seine Insulinmedikamente und etwas Ruhe. Für Amber gibt es endlich ein Wiedersehen mit ihrem Mann und ihrem Kind –Tage, nachdem sie zu einer vermeintlichen Routineüberführung aufgebrochen ist. Was sie Olly erklärt, stößt bei ihm auf Unverständnis und Ablehnung: Ohne zu verstehen, warum sein Schicksal ausgerechnet mit dem Verbrecher Tibor verknüpft ist, entschließt er sich zu einem Alleingang, der den sicheren Ort in Gefahr bringt.
Episode 5
Amber (Izuka Hoyle) steht vor einer schweren Entscheidung: Sie muss ihren schwerverletzten Mann Olly (Finn Bennett) in einer Klinik zurücklassen, um ihr Baby aus den Händen der Killerin Nina Drâgus (Leonie Benesch) zu befreien. Die Gangsterin bereitet zudem die Waffengeschäfte vor, die Declan Dempsey (Laurie Davidson) in die Hand genommen hat. Er möchte den Prozess gegen seinen Vater nutzen, um mit Ninas Hilfe die Herrschaft das über Verbrechersyndikat „Pegasus“ zu übernehmen. Die Gangsterin hat jetzt alle Trümpfe in der Hand. Tibor (Tahar Rahim), der seine einstige Organisation zerstören möchte, gibt nicht auf. Er und Amber fassen den Plan, einen Deal mit den Gangstern zu machen. Dafür muss sie jemanden um Hilfe bitten, den sie aus ihrem Leben verbannt hat.
Episode 6
Die Justizbeamtin Amber (Izuka Hoyle) sitzt nun selbst in einer Zelle. Sie weiß, wie tief die Verbrecherorganisation bis in den Polizeiapparat hinein vernetzt ist, und misstraut auch der Polizeichefin Josephine Campbell (Catherine McCormack). Wenn sie helfen soll, den untergetauchten Kronzeugen in letzter Minute in den Gerichtssaal zu bringen, dann nur zu ihren Konditionen. Mit ihrem Gefängnistransport-Kollegenteam und Phil Hawkins (Ken Nwosu) lässt sich die Beamtin eine List einfallen, um die Gangster und ihre Informanten auszutricksen. Doch auch Tibor, dem Amber inzwischen vertraut, verfolgt einen eigenen Plan. Der raffinierte Gangster möchte auf seine Art dafür sorgen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen – und nie wieder „Pegasus“ zu fürchten. Nun kommt es zu einem Katz-und-Maus-Spiel auf Leben und Tod.
Tibor ist ein bedrohlicher Einzelgänger und Auftragskiller. Einst für das Verbrechersyndikat „Pegasus“ tätig, wird er nach dem Verlust seiner Freiheit von einem persönlichen Rachefeldzug gegen die Organisation angetrieben. Seine einzige Überlebenschance besteht darin, gegen das Syndikat auszusagen. Tibor hat ein perfides Vergnügen daran, andere zu testen und sein Umfeld zu manipulieren – insbesondere Amber, während sie verzweifelt versucht, ihn rechtzeitig zur Aussage gegen das Syndikat zu bringen.
INTERVIEW MIT TAHAR RAHIM
Was hat dich an der Rolle gereizt?
Ich habe das erste Drehbuch gelesen und war sofort gefesselt. Als ich mich mit Matt Charman getroffen habe, um über die Geschichte und die Figur zu sprechen, hat alles sofort gepasst. Ich habe seine Vision verstanden – sowohl für die Action als auch für die psychologischen Ebenen. „Prisoner – Auf der Flucht“ ist ein Action-Thriller, aber Tibor hat viel mehr Tiefe, als man zunächst erwartet. Er ist eine Art Soziopath, was ihn unglaublich spannend macht.
Was waren die größten körperlichen Herausforderungen, an deine Co-Darstellerin gefesselt zu sein?
Das hat alles deutlich komplexer gemacht, vor allem bei den Stunts. Unser Stuntteam war großartig und sehr offen für Ideen. Izuka und ich mussten jede Bewegung gemeinsam abstimmen. Ich habe es wie einen Tanz betrachtet – für mich ist Schauspiel immer auch ein Zusammenspiel, ein Reagieren auf den anderen. Vier Monate aneinandergekettet zu drehen, hätte schwierig sein können – aber Izuka ist ein wunderbarer Mensch. Wir haben uns sehr gut verstanden und sind echte Freunde geworden.
Tibor wird von „Pegasus“ gejagt – unter anderem von Nina, die er selbst ausgebildet hat. Wie ist diese Dynamik?
Die Ironie ist: Tibor hat Nina dazu ausgebildet, genauso gut oder sogar besser zu sein als er selbst. Sie kennt all seine Tricks – wie er denkt, wo er sich versteckt, sogar, dass er Diabetiker ist. Jetzt jagt sie ihn. Er war 20 Jahre lang der Jäger – plötzlich ist er der Gejagte. Im Grunde wird er von einer Version seiner selbst verfolgt.
Tibors Diabetes zeigt eine verletzliche Seite. Welche Rolle spielt das?
Das ist eine große Schwäche für jemanden, der immer stärker wirken will als alle anderen – vor allem auf der Flucht. Es erinnert daran, dass er ein Mensch ist. Gleichzeitig verändert es die Dynamik mit Amber, weil er auf sie angewiesen ist. Diese Verletzlichkeit öffnet den Raum für eine menschlichere Seite der Figur.
Wie war die Zusammenarbeit mit den Regisseur:innen?
Otto und Pia haben völlig unterschiedliche Energien – beide sind großartig. Otto arbeitet sehr schnell und intuitiv, was perfekt zum Tempo der Serie passt. Pia hingegen ist ruhiger, sehr kollaborativ und arbeitet intensiv mit den Schauspieler:innen. Dieser Kontrast hat der Serie sehr gutgetan.
Amber ist eine willensstarke Gefangenentransport-Beamtin, die den Spagat zwischen einem fordernden Job, ihrem Studium der Kriminalpsychologie und dem Familienleben mit ihrem Ehemann Olly und dem gemeinsamen Baby Mia meistert. Intelligent, schlagfertig und entschlossen, wird sie von einem festen moralischen Kompass und dem Ehrgeiz angetrieben. Doch genau dieses Pflichtbewusstsein führt sie in einen Hochrisiko-Einsatz, auf den sie nie vorbereitet wurde. Auf dieser Mission beginnt Amber, ihren Optimismus und ihre klaren moralischen Überzeugungen zu hinterfragen – und erkennt, dass die Welt weniger eindeutig ist, als sie geglaubt hat.
INTERVIEW MIT IZUKA HOYLE
Was hat dich an der Rolle von Amber gereizt?
Was mich an „Prisoner – Auf der Flucht“ sofort interessiert hat, war die Idee zweier Menschen, die aneinandergekettet sind, obwohl sie komplett gegensätzlich sind – in ihrer Persönlichkeit und ihrem moralischen Kompass. Ich war fasziniert von der körperlichen und mentalen Herausforderung. Amber studiert Kriminalpsychologie, Tibor ist ein Soziopath – diese Dynamik und das Potenzial zur Figurenentwicklung haben mich extrem gereizt. Nach den ersten Drehbüchern wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.
Welche Themen behandelt die Serie?
Moral, institutionelle Macht, organisierte Kriminalität und Mutterschaft. Mutterschaft wird über Amber und ihr Baby Mia erzählt, aber auch über Tibor und seine Mutter. Die Serie behandelt ein generationsübergreifendes Trauma und wie es Menschen prägt. Beide Figuren haben komplizierte Beziehungen zu ihren Müttern und stehen trotzdem auf entgegengesetzten Seiten der moralischen Skala.
Wie lief das Casting ab?
Als ich das Selftape bekam, war ich im Urlaub in Wien – bei 40 Grad celsius. Ich und eine Freundin haben dort eine Amber-Tibor-Szene erarbeitet. Danach gab es ein Recall mit Matt, Haleema, Otto und dem Casting-Team. Später folgte ein finaler Zoom. Als ich die Rolle bekommen habe, hat mein Agent mich mitten aus einer Janet-Jackson-Show angerufen – ich war gerade Blut spenden. Ein sehr klassischer Ablauf also. (lacht)
Die Handschellen spielen eine große Rolle, auch als dramaturgisches Mittel – wie war das?
Tibor benutzt Amber wie ein Werkzeug an diesen Handschellen. Amber erkennt schnell, dass sie für ihn nützlich bleiben muss – sonst würde er sie loswerden. Sie muss ständig abwägen: hilfreich sein, ohne zur Last zu werden – und ohne selbst Gewalt anzuwenden. Es ist ein cleveres Konzept, Protagonist und Antagonist zu verbinden. Man erlebt beide Figuren ständig im gleichen Raum. Dadurch sieht man zwei Perspektiven auf dieselbe Welt.
Nina ist eine Auftragskillerin für „Pegasus“, geprägt von Jahren brutalen Trainings unter Tibor, nachdem sie mit 16 ins Vereinigte Königreich geschleust wurde. Von Harrison in die Organisation gezwungen, hat sie sich zu einer kaltblütigen, präzisen Kämpferin mit scharfem Instinkt und tiefsitzendem Groll entwickelt. Der Verrat ihres Mentors lässt sie sich gegen ihn wenden. Hinter ihrer eisigen Fassade verbergen sich unterdrückte Wut, Ehrgeiz – und eine geheime Beziehung zu Declan.
INTERVIEW MIT LEONIE BENESCH
Wie würdest du die Serie und deine Figur beschreiben?
Ich spiele Nina Drâgus, die in den letzten 16 Jahren von Tibor Stone ausgebildet wurde. In seiner Abwesenheit ist sie praktisch zur Anführerin der „Schlägertruppe“ innerhalb des Verbrechersyndikats aufgestiegen. Zu Beginn der Serie will sie sich gegenüber dem Syndikatschef Harrison beweisen. Wir haben auch darüber gesprochen, dass sie in dieser engen Lehrer-Schüler-Beziehung möglicherweise Gefühle für ihn entwickelt hat – die er jedoch nicht erwidern kann. Sie ist ehrgeizig und skrupellos, mit einer fast militärischen Körperlichkeit. Sie spricht kaum – ihre Bewegungen sagen mehr als Worte.
Wie bist du an Ninas Körperlichkeit herangegangen?
Wir haben intensiv daran gearbeitet, wie sich die Figur bewegt. Nina trägt fast immer eine Waffe – es gibt nur eine Szene ohne – deshalb habe ich mit einer ehemaligen Marine den Umgang mit Waffen, Haltung und Aufmerksamkeit trainiert. Nina ist jemand, der immer weiß, wo die Ausgänge sind. Diese Details wurden zur Grundlage der Figur.
Siehst du Nina als Antagonistin?
Was ich an der Serie mag, ist, dass jede dieser Figuren ganz unterschiedlich ist. Harrison ist die wohlhabende, autoritäre Figur; Declan ist charismatisch, fähig und überraschend vielschichtig; und Nina ist unerbittlich, fast wie ein Terminator. Ich finde, wir sind kulturell manchmal zu zurückhaltend damit, Dinge klar als „böse“ zu benennen – aber in „Prisoner – Auf der Flucht“ haben diese Figuren sich dieses Label definitiv verdient.
Die Action in der Serie ist sehr intensiv. Wie war es, die große Tunnelszene zu drehen?
Absolut verrückt. Wir haben nachts in einem Tunnel in Cardiff gedreht, oft elf Stunden am Stück. Es war eiskalt und unglaublich laut. Ich habe mich intensiv vorbereitet, aber zum ersten Mal ein Sturmgewehr abzufeuern, war trotzdem verstörend. Es fühlt sich erschreckend gut an – wegen des Machtgefühls, und genau das ist das Unheimliche daran.
Wir haben sehr lange Takes gedreht, und ich erinnere mich, wie ich morgens um halb fünf nach Hause kam, voller Adrenalin und unfähig zu schlafen.
Wie war die Dynamik im Cast bei einer so intensiven, actiongetriebenen Produktion – und was nimmst du aus dieser Erfahrung für dich mit?
Ich verehre Tarah Rahim schon lange. Er ist ein absolut großartiger Schauspieler, und es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Izuka kannte ich vorher nicht, aber sie steht Tahar in nichts nach, und so ein Team in den Hauptrollen zu haben, ist ein großes Geschenk. Sie haben den Ton gesetzt und uns durch den monatelangen Dreh gelotst.
Wie würdest du „Prisoner – Auf der Flucht“ beschreiben?
Im Kern handelt „Prisoner“ von menschlichen Beziehungen – insbesondere davon, was Menschen voneinander lernen können, wenn sie gezwungen werden, zusammen zu sein, obwohl sie eigentlich nichts gemeinsam haben. Amber und Tibor sind Gegensätze. Sie geraten in einen Hinterhalt, und Amber findet sich plötzlich an diesen gefährlichen Mann gefesselt wieder. Es ist keine Geschichte über Romantik oder Freundschaft, sondern über zwei extrem unterschiedliche Menschen, die eine Situation bewältigen müssen, die keiner von ihnen gewählt hat – und darüber, was sie dabei voneinander lernen.
Was sagt die Serie über Liebe und Familie?
Die Serie untersucht die Liebe einer Mutter – sei es bei Carla und Tibor oder bei Amber und ihrem Baby Mia. Es geht um Verantwortung: darum, was eine Mutter ihrem Kind schuldet und wie weit Menschen für ihre Familie gehen. Amber bricht fast jede Regel, die ihr zuvor heilig war, um ihre Familie zu schützen. Sie lernt von Tibor, dass die Welt viel komplexer ist, als sie geglaubt hat.
Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Amber und Tibor, nachdem die Handschellen entfernt wurden?
Ab Episode 4 verändert sich die Dynamik komplett. Sie sind nicht mehr physisch aneinandergebunden, bleiben aber emotional miteinander verstrickt. Amber weiß, dass sie Tibor vor Gericht bringen muss, um ihre Familie zu retten. Tibor wiederum sieht in Amber seinen sichersten Weg, auszusagen. Von diesem Punkt an wird die Verbindung emotional statt erzwungen. Während des gesamten Blocks habe ich versucht, die kleinen Momente zu finden, in denen Amber Wärme oder Menschlichkeit in Tibor erkennt – flüchtige Augenblicke, die er selbst nicht in sich sieht.
Du arbeitest in „Prisoner – Auf der Flucht“ mit einem sehr internationalen Cast – verändert das deine Art, Schauspieler:innen zu führen oder Szenen zu entwickeln?
Ja, definitiv. Bei „Prisoner“ habe ich gemerkt, dass man mit einem internationalen Cast viel stärker über Intention als Sprache arbeitet. Gerade weil nicht alle die gleichen sprachlichen Feinheiten teilen, muss man sehr klar darin sein, was eine Szene emotional erzählt und was zwischen den Figuren passiert. Gleichzeitig bringt jede:r eine ganz eigene Arbeitsweise mit. Manche kommen sehr über Text, andere über Körper oder Rhythmus. Das macht die Proben offener und z.T. auch unberechenbarer – im guten Sinne. Für mich bedeutet das, klar zu führen, aber auch bewusst Raum zu lassen. Gerade in der Arbeit mit Schauspieler:innen wie Tahar Rahim, die sehr stark über Präsenz und Subtext kommen, entstehen oft ungeplante Momente. Insgesamt werden die Szenen dadurch unmittelbarer und oft auch physischer. Tahar hat ein gewaltiges Verständnis von seiner Figur und ein ungemeines Gespür für die Geschichte, für eine Szene, für die Kamera. Er würde sein Gefühl, seine Vision aber niemals einer Situation überstülpen, sondern tastet sich gemeinsam mit der Regie an beide Ideen heran, erlaubt, mit ihnen zu verschmelzen, und so entsteht ein ungemein kreatives, offenes und auch effektives Arbeiten. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe und so hohem Niveau habe ich sehr genossen.
In „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ hast du historische und politische Stoffe inszeniert – in „Prisoner – Auf der Flucht“ geht es um ein hochdynamisches Thriller/Action-Setup. Was reizt dich an diesen sehr unterschiedlichen Erzählformen?
Gerade dieser Wechsel reizt mich total. Besonders spannend finde ich Stoffe dann, wenn sie in ihrem Genre wirklich klar und konsequent sind. „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ war ein historisches Politdrama – etwas, das ich davor noch nie gemacht hatte. Und auch Action als Genre war für mich mit „Prisoner“ Neuland. Mich interessiert vor allem: Was sind die Regeln dieses Genres – und wie ernst nehmen wir sie? Bei Prisoner – Auf der Flucht“ war für mich entscheidend, dass wir das Genre wirklich umarmen und nicht versuchen, es zu relativieren. Also Tempo, Spannung und auch den Spaß daran voll auszuspielen. (…) Und genau da liegt für mich auch die Gemeinsamkeit: Egal ob historisches Politdrama oder rasanter Action-Thriller – am Ende geht es immer um Figuren unter Druck und um die Frage, wie man Spannung aus ihnen heraus erzählt. Sowohl Figuren wie Alfred Herrhausen als auch eine Figur wie Tibor Stone sind auf den ersten Blick keine klassischen Sympathieträger: ein Banker und ein Auftragskiller. Umso interessanter ist die Aufgabe, in ihnen etwas Dreidimensionales, Widersprüchliches freizulegen und sie jenseits von Zuschreibungen erfahrbar zu machen.
Die Episoden 1 bis 3 von „Prisoner – Auf der Flucht“ sind im Presse-Vorführraum zur Ansicht verfügbar: www.ard.de/die-ard/ard-programmdirektion/programmpresse/vorfuehrraum
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