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Stand: August/2026
Zwei Mädchen verschwinden aus einem Haus. Das erste 1949, das zweite 1999. Beide tauchen nie wieder auf. Als Jessie das Haus erbt, begreift zu sie spät, welche Gefahr darin lauert.
„House of Yang“ ist eine sechsteilige Mysteryserie, die in einer abgeschiedenen Ecke des Schwarzwaldes in einem alten Haus spielt, in dem sich die Geschichte einer deutsch-chinesischen Familie über drei Generationen hinweg erstreckt. Inmitten von schleichendem Horror und unerklärlichen Ereignissen stellt sich die Frage: Sind wir dazu verdammt, die tragischen Fehler unserer Eltern und Großeltern zu wiederholen? Oder gibt es einen Ausweg aus ererbtem Trauma, um einen eigenen Weg zu beschreiten, frei und unbelastet von der Vergangenheit?
BESETZUNG
JESSIE | Elisa Hofmann |
MILA | Purnima Grätz |
YANG | Linda Chang |
ELSA, jung | Emma Bading |
DAIYU | Andrea Guo |
WOLFGANG, jung | Vladimir Burlakov |
OMA ELSA | Ursula Werner |
TABEA | Antonia Bill |
BENNI | Max Woelky |
ACHIM | Christian Kerepeszki |
JESSIE, jung | Clara Jaschob |
BENNI, jung | Yoran Leicher |
ISABEL | Xue Lili Pautze |
XIA | Mengran Huang |
TABEA, jung | Emilia Packard |
SEBASTIAN SCHÖLLER | Marco Gianni |
LUISE | Odine Johne |
OPA WOLFGANG | Peter Cieslinski |
STAB
CREATORIN, AUTORIN, SHOWRUNNERIN | Stefanie Ren |
REGIE | Mia Spengler |
KAMERA | Zamarin Wahdat |
MONTAGE | Anna Nekarda
Linda Bosch
|
MUSIK | Marc Fragstein |
SZENENBILD | Cosima Vellenzer |
KOSTÜMBILD | Juliane Maier
Judith Stryczek |
CASTING | Liza Stutzky |
PRODUKTION | Arto Sebastian
Karoline Henkel
Jasper Ph. Mielke |
REDAKTION | Katharina Dufner |
Eine Produktion der Wood Water Films in Koproduktion mit dem SWR. Gefördert von der MFG Baden-Württemberg.
Die Suche nach Zugehörigkeit
So wie die Figur Jessie Alzenberg in einer chinesisch-deutschen Familie aufgewachsen ist, bin auch ich zwischen der koreanischen und deutschen Kultur groß geworden. Die Suche nach Zugehörigkeit und der Umgang mit Alltagsrassismus, die sich in Jessies Biografie widerspiegeln, haben mich daher besonders angesprochen.Gefangen in den Schuldgefühlen über das Verschwinden ihrer Schwester bewegt sich Jessie ständig zwischen Durchhalten und Aufgeben. Umso mehr konnte ich mich mit ihr freuen, wenn sie selbst die Initiative ergreift, versucht, ihr Schicksal zu verändern und sich Schritt für Schritt von ihren Schuldgefühlen zu befreien.
Reifer als in ihrem Alter üblich
Mila ist die Tochter von Jessie und wird in der Gegenwart eingeführt. Sie ist ein sehr neugieriger Mensch, der unbedingt über die Vergangenheit der Mutter und ihre asiatischen Wurzeln erfahren will. Dadurch, dass ihre Mutter ihr diese Informationen verschweigt und sie sich selten sehen, da die Eltern getrennt sind, ist das Verhältnis zur Mutter sehr distanziert. Mila musste schon früh lernen, alleine klarzukommen und für sich selbst zu sorgen und ist dadurch schon reifer als in ihrem Alter üblich. In der Dynamik mit ihrer Mutter übernimmt sie oft die Rolle der Erwachsenen.
Ein Mann, dem man nicht verzeiht
Wolfgang gehört einer Zeit an, die Ordnung verlangt, und trotzdem trägt er etwas in sich, das sich nicht ordnen lässt. Er ist der Mann, der zu wissen scheint, wie man überlebt, und genau das macht ihn gefährlich. Er handelt aus einer Logik heraus, die für ihn Sinn ergibt, auch wenn sie anderen Schaden zufügt. Was mich an ihm interessiert hat, war nicht seine Funktion als Antagonist, sondern die Lücke dahinter, eine Sehnsucht nach Nähe, die er nie richtig benennen kann und die ihn deshalb umso ungeschickter und verletzlicher macht. Ich wollte einen Mann spielen, dem man nicht verzeiht, den man aber vielleicht zu verstehen versucht, jemanden, dessen Härte auch eine Antwort auf etwas ist, das ihm gefehlt hat. So bleibt Wolfgang keine reine Bedrohung, sondern ein Mensch, der in der Enge seiner Zeit und seiner eigenen Wunden gefangen ist.
Eine stille Revolte
Es ist ein besonderes Erlebnis, in eine vergangene Zeit einzutauchen und sich mit den Hoffnungen, Ängsten und Erfahrungen einer Frau auseinanderzusetzen, die von der NS-Zeit und ihren Nachwirkungen geprägt wurde. Elsa hat gelernt zu schweigen und sich den gesellschaftlichen Strukturen unterzuordnen. Umso bewegender war es für mich, ihre Entwicklung als eine stille Revolte zu spielen – ein vorsichtiges Aufbegehren im Rahmen ihrer Möglichkeiten, das Schritt für Schritt einen Perspektivwechsel ermöglicht. Besonders schön war es außerdem, Elsa hochschwanger und später als Mutter eines kleinen Babys zu verkörpern. Babys sind vollkommen im Moment und reagieren auf nichts als das, was gerade geschieht – eine Qualität, nach der wir Schauspieler:innen ein Berufsleben lang suchen.”
Ein Zuhause kann nicht nur ein Ort, sondern auch ein Mensch sein
Daiyu ist für mich eine starke, unabhängige junge Mutter, die nach dem Krieg auf der Suche nach einem Ort ist, an dem sie gemeinsam mit ihren beiden Töchtern Schutz und Geborgenheit finden kann. Sie weiß, dass selbst die eigenen vier Wände keine Sicherheit garantieren und ein Zuhause auch mit Gefahr verbunden sein kann. Deshalb bleibt sie stets wachsam, immer bereit weiterzuziehen, und lässt sich auf niemanden wirklich ein, bis sie Elsa begegnet. Auf diesem Weg erkennt sie, dass ein Zuhause nicht nur ein Ort, sondern auch ein Mensch sein kann.
Eine Mutter, die am Verschwinden ihrer Tochter zerbricht
Was mich an der Figur Yang besonders fasziniert hat, war die Frage, was einen Menschen dazu bringt, Entscheidungen zu treffen, die von außen kaum nachvollziehbar erscheinen. Für mich stehen hinter ihrem Handeln weder Bosheit noch Grausamkeit, sondern eine Mutter, die am Verschwinden ihrer Tochter zerbricht und verzweifelt versucht, sie zu retten – so verzweifelt, dass sie dabei den Blick für die Grenzen ihres Handelns verliert. Gerade diese emotionale Entwicklung zu erforschen, ohne Yang vorschnell zu verurteilen, hat mich gleichermaßen gereizt und herausgefordert.
Die Dreharbeiten in diesem Haus waren speziell
Tabea ist nach außen hin ein resilienter Charakter, der anderen Menschen hilft und immer für alle da ist. Innerlich aber spürt sie diese ewige Last, das Geschehene weiter aufklären zu müssen.
Diese, wie in einen dunklen Brunnen ziehende Tiefe zu spielen, war eine besondere und einzigartige Erfahrung für mich.
Die Dreharbeiten in dem Haus waren speziell, da sich alles in diesem Mikrokosmos abspielt. Das Set wurde auf die verschiedenen Generationen umgebaut. Viele Versatzstücke, wie alte Fotos, konnte man in der Kulisse in seiner Spielzeit sehen, anderes stand noch aus vorherigen Drehtagen wie Dämonen der Vergangenheit an den Seiten herum. So hatte man das Gefühl, alle Generationen mitatmen zu können. Die Fiktion der Geschichte wurde seltsam zur Realität. Spannend war es für mich auch, wie verändert Jessie und Tabea in ihrer älteren Version aufeinandertreffen, wie unterschiedlich sie mit dem erlebten Trauma umgegangen sind und wie sich ihre Lebenswege entwickelt haben. Es ist fantastisch, dieses Tableau an Generationen, mit allen Verästelungen und Verbindungslinien zeigen zu können und so mit der Geschichte an ganz komplexe Gefühlswelten heranzukommen.
Eine besondere Entstehungsgeschichte
Unsere Mysteryserie „House of Yang“ hat eine besondere Entstehungsgeschichte: Autorin Stefanie Ren schrieb das Konzept zu der Serie und nahm damit 2023 am Ideenwettbewerb „Tief im Südwesten“ teil, den der SWR für die beste Idee zu einer originären und im Südwesten verorteten Serie ausgeschrieben hatte. Mit dem aufregenden Genre und dem Setting Schwarzwald setzte sich der Ideenpitch gegen 180 Mitbewerber:innen durch und gemeinsam mit Stefanie Ren konnten wir in einer Angebotseinholung die Produktionsfirma Wood Water Films an Bord holen.
Bereits auf den ersten drei Seiten faszinierte uns, mit welcher Leichtigkeit Stefanie Ren einen schweren Stoff, der Familientraumata in mehreren Generationen thematisiert, in ein Genre verwandelte, das wir viel zu selten in der ARD erzählen: die Mysteryserie. Und das auf drei Zeitebenen. Mit Mädchen, die in Zimmern verschwinden, und das Zimmer mit ihnen. In der weiteren Stoffentwicklung erlebten wir dann, wie schwer es ist, komplexe metaphysische Ereignisse zu erfinden, die unerklärlich erscheinen und dennoch Sinn ergeben. Denn das ist es ja, was Mystery- und Horror-Fans so begeistert: Es geschehen Dinge, die nicht geschehen dürften, aber man glaubt es. Will unbedingt begreifen. Und muss dann erfahren, dass zu jeder Wahrheit viele weitere mögliche Wahrheiten gehören.
Die ursprünglich eingereichte Idee hatte noch kein Ende, auch das war ungewöhnlich, aber auch Teil des spannenden Entwicklungsprozesses, in dem wir uns gemeinsam darum bemüht haben, jeden dunklen Gang einmal abzugehen und auszuprobieren, wo uns Figuren und Geschichte hinführen: Willkommen im HOUSE OF YANG!
Wir sind sehr froh, dass wir uns auf dieses außergewöhnliche Projekt eingelassen haben und aus dem tiefen Südwesten eine gruselige Serie in die ARD Mediathek bringen.
Rassismus, verdrängte Traumata und familiäre Konflikte
Meine Schwester und ich wurden in Taiwan geboren und wuchsen als Töchter einer Deutschen und eines Chinesen im Schwarzwald auf, wo wir immer wieder Rassismus gegenüber uns und unserer Familie erlebt haben. Nicht nur von Nachbar:innen oder Mitschüler:innen. Meine deutsche Großmutter hatte Angst vor meinem chinesischen Vater. Mein deutscher Großvater, der vor meiner Geburt starb, trat bereits im März 1932 der NSDAP bei, meine Großmutter 1937. Über diese Zeit und ihre Taten wurde geschwiegen. Doch jedes Mal, wenn mein Vater mit meiner Großmutter in einem Raum war, starrte sie ihn an wie einen Geist und weigerte sich, mit ihm zu sprechen. Das hat mir große Angst gemacht. Nicht nur in Bezug auf die beiden, sondern auch auf mich selbst und meine eigene Identität.
Kaum bekannt ist, dass die Nazis auch gegen Chines:innen in Deutschland vorgingen, etwa 1944 bei der sogenannten „Chinesenaktion“, bei der rund 130 Chines:innen grundlos verhaftet, in KZs verschleppt und ermordet wurden.
In mir fließt, wie bei so vielen Menschen heutzutage, sowohl das Blut von Tätern als auch das von Opfern. Was macht das mit uns? Und wie wollen wir mit den Geistern umgehen, die die Geschehnisse der Vergangenheit mit sich bringen? Obwohl – oder gerade weil – neben einer deutschen Familie auch eine chinesische Familie im Zentrum dieser Serie steht, ist „House of Yang“ eine zutiefst deutsche Geschichte, mitten im Schwarzwald.
Für mich ist das Mystery- und Horrorgenre der direkteste Zugang zu dieser Geschichte: Es bringt Rassismus, verdrängte Traumata und familiäre Konflikte auf ungewöhnliche Art und Weise an die Oberfläche und lässt kein Ausweichen mehr zu. Gleichzeitig sind Geistergeschichten in Taiwan und China tief in der Kultur verankert – und damit auch ein Teil von mir.
Identität und Verwurzelung als Quellen unserer Inspiration
Showrunnerin Stefanie Ren und mich verbindet nicht nur, dass wir an der gleichen Filmhochschule studierten, sondern auch, dass wir dort als die einzigen beiden asiatisch gelesenen Frauen oft miteinander verwechselt wurden.
Als ich die Drehbücher zu „House of Yang“ las, war ich tief berührt, wie Stefanie es geschafft hatte, ihre eigene Rassismuserfahrung auf so eine spannende, unterhaltsame und berührende Art und Weise in Drehbücher zu gießen. Der Schmerz, den unsere Figuren durch Verlust und Ausgrenzung empfinden, ist mir durch meine eigene Biografie sehr nah. Es war ein außergewöhnliches Gefühl, an einem Set mit einem so großen deutsch-asiatischen Cast zu stehen und gemeinsam Bilder für Gefühle zu erschaffen, von denen wir lange dachten, sie wären eine Einzelerfahrung.
Meine wichtigste Partnerin hierbei war meine langjährige Kamerafrau Zamarin Wahdat. In unserer gemeinsamen kreativen Arbeit sind die Themen Identität und Verwurzelung projektübergreifend Quellen unserer Inspiration. Als große Fans des politischen Horrors war „House of Yang“ eine einzigartige Herausforderung, um die Poesie in der Zerrissenheit unserer Figuren freizulegen und eine visuelle Verbindung zwischen Historiendrama und dem 90er-Jahre-Mystery-Pop zu finden. Unsere Szenenbildnerin Cosima Vallenzer fand schon früh unser Hauptmotiv und entwickelte eine intensive und bewusst bunte Farbwelt als verbindendes Element durch alle Zeitebenen hindurch. Faszinierenderweise schaffte sie es, das Hauptmotiv während der Dreharbeiten dreimal komplett umzubauen, während die Hausbesitzer mit Hunden und Katzen dort wohnten. Dies war eine von vielen kuriosen Herausforderungen der Dreharbeiten, die unser außergewöhnliches Team mit Bravour meisterte. Nicht zuletzt wegen des Spirits von Wood Water Films, aber auch, weil viele unserer Teammitglieder biografisch sehr an die Themen der Serie anknüpfen konnten, war jede:r bereit, die Extrameile zu gehen, die „House of Yang“ am Ende als einzige deutsche Serienproduktion auf die Berlinale 2026 brachte.
Ein persönliches Highlight für mich war es, gemeinsam mit Elisa Hofmann, unserer Hauptdarstellerin, zurück in die 90er-Jahre zu reisen, da wir sie tatsächlich gemeinsam erlebt haben. Wir kennen uns schon seit unserer Kindheit und hatten die außergewöhnliche Gelegenheit, dieses Foto nachzustellen.
Mia Spengler und Elisa Hofmann damals und heute.
„House of Yang“ ist im Presse-Vorführraum zur Ansicht verfügbar: www.ard.de/die-ard/ard-programmdirektion/programmpresse/vorfuehrraum
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Texte | Annette Gilcher und Christian Esser |
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